9 Tage unterwegs. Endlich erreichen wir das Basecamp. 3 Flüge, 10 Stunden Autoschlammschlacht, 6-Tage Trek durch den Baltoro Gletscher. Auf 4500m schlagen wir unser Basislager auf. Wir haben schlussendlich unser Ziel vor Augen und es wirkt ferner als je zuvor. Muztagh Tower Süd-Ost-Grat: Zu schwer, ewig weit und vermutlich extrem brüchig. Inmitten dieses Grates sticht der Black Tooth ins Auge.

Der Trek war nicht nur für uns anstrengend

ERSTE ERKUNDUNGSTOUREN

Unser Basecamp liegt etwa 3km und 100hm vom Wandfuß und Gratbeginn entfernt. Die Gletscherzunge vom Biange Glacier führt uns zum Vorbau. Über eine unscheinbare Rinne klettern wir auf eine Höhe von 5100m: der Grat türmt sich auf. Das Gelände schaut unglaublich brüchig aus, doch wir erreichen den 1. Turm und hoffen auf besser werdenden Fels. Angeseilt klettern wir die erste schwere Seillänge. Ein Gewirr von losen Schuppen und Rissen führt 20m auf ein Plateau (5b/c). Voller Verwunderung entdecke ich einen Schlaghaken. Simon begutachtet den Weiterweg, welcher sich als Sackgasse entpuppt. Der Haken muss als Abseiler geschlagen worden sein. Wir erkunden etwas weiter unten querend den Weiterweg und erreichen endlich die angestrebte Scharte zwischen 1. und 2. Turm. Voller Enttäuschung betrachten wir den Weiterweg. Die erste Steilstufe des 2. Turms (rund 300hm) besteht nur aus brüchigen Türmen, steilen Schnee & Schotter. Für uns steht fest, dass im 3er-Gespann kein Weiterweg möglich ist. Zu groß sind die objektiven Gefahren. Wir müssen einen Alternativplan schmieden. Noch ist Zeit: Akklimatisieren ist angesagt.

Basislager auf 4500m

SÜD-WEST FLANKE

Die Schönwetterperiode hält an. Nach einigen Freibiwaks haben Simon, Philipp und ich auch einen neuen Aufstieg ins Visier genommen. Über die Süd/Südwest-Flanke führt ein System von Rippen und Schneefeldern zum Südostgrat hinauf. Über den Grat sollten wir den Black Tooth (6718m) & in weiterer Folge den 7283m hohen Muztagh Tower erreichen. Vorrangiges Ziel ist der unbestiegene Black Tooth welcher markant am Südostgrat in die Höhe ragt. Die warmen Temperaturen und die schlechten Schneebedingungen wagen kaum an eine Besteigung des Muztagh Towers zu denken.

Wir sind bereits seit 10 Tagen im Basecamp und sind dementsprechend akklimatisiert. Jedoch fehlen uns die Regenerationstage. Innerhalb der letzten 7 Tage waren wir 5 Tage am Berg.

Steile Eiskletterei im Gletscherbruch (WI5)

SUMMIT PUSH

Es kommt was kommen muss. Die Wetterprognose deutet nach wochenlanger Schönwetterperiode eine leichte Verschlechterung in den kommenden Tagen an. Wir brauchen eigentlich Pause, aber die nächsten Tage scheinen unsere letzte Chance auf eine Besteigung des Black Tooth (6718m) sein. Philipp kann leider am Besteigungsversuch nicht teilnehmen. Er fühlt sich körperlich nicht fit.

Nach nur einem Ruhetag starten Simon und ich am 24.07. um 1:00 in Richtung High-Point auf 5800m. Der Tag beginnt alles andere als gut. Unser Koch-Team verschläft (wir teilen uns nur ein Snickers), ich falle hüfthoch in Eiswasser und von Beginn an fühlen wir uns müde und ausgelaugt von den Strapazen der letzten Wochen. Völlig erschöpft erreichen wir um 08.00 unser erstes Biwak. An einen Weiterweg ist heute nicht zu denken. In der Höhe erholt sich der Körper sehr langsam.

Biwak auf 6200m

Nach einer sternenklaren Nacht starten wir bei Dämmerung den weiteren Aufstieg. Über leichtes Mixedgelände (bis M4) erreichen wir das obere Schneefeld welches sich als fragiles Eisfeld entpuppt. Seilfrei klettern wir den bis zu 60 Grad steilen Hang. Mit 3 Eisschrauben ist an ein Absichern nicht zu denken und wäre bei dem Eisaufbau auch nicht möglich. Nach knapp 300hm erreichen wir um 8.00 zitternd und komplett ausgelaugt den Grat auf 6200m. Der Aufstieg über das Eisfeld fühlte sich sehr unsicher an und die Sonne brennt ebenfalls schon auf uns herunter. Wir sind froh uns endlich in einem halbwegs sicheren Gelände zu befinden. Zu unserem Entsetzen finden wir auch hier keinen Platz unser Zelt aufzustellen. Das östliche Ende des Grates besteht aus riesigen Wechten. Wir steigen den Grat 60 m ab und finden zumindest einen Biwakplatz, wo Simon und ich gerade noch Platz finden und nicht direkt auf einer Wechte schlafen.

Exponiertes Biwak auf 6200m

Karakorum-Expedition (2): First Ascent of Black Tooth (6718m)

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